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Ayurveda: Der Umgang mit Stress

 

Verfasst durch Dr. Priya, Ayurveda Ärztin, Agastya Garden

A) Allgemeines und grundsätzliches zu Stress
B) Stressbehandlung aus ayurvedischer Sicht


A) Allgemeines und grundsätzliches zu Stress

Stress ist Teil des menschlichen Lebens geworden. Tatsächlich kann Stress den Zyklus unseres Lebens auch bestimmen. Er kann ein Auslöser sein, um aus Gedanken Taten zu machen, sei es das Fliehen vor einem Feuer, einer Flut, die Teilnahme an einem Wettrennen oder der Liebesakt. Stress kann folglich eine positive Kraft sein, die unserem Überleben dient und uns hilft, zwischen aktivem Leben und blosser passiver Existenz zu unterscheiden.

Das moderne Leben ist eine Herausforderung. Wir haben uns vom natürlichen Prozess wegentwickelt und unser Alltag ist rauher und mechanischer geworden.

In gewisser Weise sind wir sogar von unserem künstlich erhöhten Stresshormon-Pegel abhängig geworden. Wir benutzen die Stresshormone als Gegenmittel, um dem barschen Leben entgegen zu wirken.


Die Ursachen von Stress

Täglich erleben wir Stress, wenn wir z. B. zu Hause, bei der Arbeit oder in der Freizeit in irgendeiner Form herausgefordert werden. Genau genommen ist Stress die Erregung, mit der der Körper auf solche Herausforderungen reagiert.

Unser Körper reagiert sofort auf Stresssituationen. Sobald wir eine Herausforderung wahrnehmen, wird eine Kettenreaktion in unserem Körper ausgelöst, die für einen plötzlichen Anstieg der Energie und der Kraft sorgt; dies hilft uns, für einen Kampf oder eine Flucht bereit zu sein.

Stress ist an sich nicht schädlich, sofern wir die Energie und Anspannung wieder abbauen können. Er kann sich häufig aber auch anstauen. Wenn sich körperliche Belastung anhäuft, kann dies zu Erschöpfung und Krankheiten führen. Um dies zu vermeiden, müssen wir entweder lernen, die Belastung z. B. durch Sport abzubauen oder der Erregungsreaktion des Körpers mittels einer bewussten Entspannungstechnik entgegen zu wirken.

Bei jedem ist die Grenze von positiver, kontrollierbarer Erregung zu ungesunder Überbelastung unterschiedlich hoch. Unsere Persönlichkeit, unser Verhalten und unser Lebensstil sind beeinflussende Faktoren unseres Stress-Pegels. Vielfach verursachen Emotionen wie Aggression, Ungeduld, Wut und Angst Stressreaktionen im Körper.

Ungesunde Ernährung, Rauchen sowie Alkohol- und Drogenkonsum kann zur körperlichen Anspannung beitragen. Stress kann auch bei der Arbeit, bei innerlichen Konflikten, finanzieller Unsicherheit, im sozialen Umfeld oder durch die Umwelt, falsche Ernährung, Krankheit etc. entstehen.

Genau genommen ist Stress das, was wir als solchen empfinden. Während die einen Menschen in einer bestimmten Situation aufblühen, fühlen sich andere in der gleichen Situation erdrückt und äusserst gestresst. Darüber hinaus kann sowohl zu wenig als auch zuviel Anregung zu Stress führen. Stress wird allerdings erst dann gesundheitsschädigend, wenn wir nicht mehr damit umzugehen wissen. Dies zu erkennen, ist der erste grundlegende Schritt, um den negativen Folgen des Stresses entgegen zu treten.


Lösung des Stress-Problems

Wenn wir an die Menschen in unserem Umfeld denken, werden wir feststellen, dass einige mit Hingabe ihrer Arbeit und anderen Aktivitäten nachgehen; sie reagieren eher positiv auf Herausforderungen, statt sich überfordert zu fühlen. Sie wissen, dass es keine universelle Lösung für das Problem Stress gibt. Nicht für jeden bedeutet Stress dasselbe, also müssen wir in erster Linie selbst für unser Wohlbefinden besorgt sein.

Wir müssen also eine gesunde, stresserprobte Lebensweise entwickeln. In den letzten Jahren wuchs das allgemeine Bewusstsein über die Wichtigkeit von ausgeglichener Ernährung, sportlicher Betätigung, über die Gefahren des Rauchens, des Alkohol- und Drogenkonsums sowie über die Umweltverschmutzung und das ökologische Ungleichgewicht, was das Interesse an ganzheitlicher Gesundheit wieder entfacht hat.

Das körperliche Befinden und die geistige Verfassung können nicht voneinander getrennt werden, da beide eng zusammenhängen.


Den Lebenswandel neu überprüfen

Gut organisierte Menschen stehen weniger unter Stress. Sie planen ihre Aktivitäten genau ein und verringern so ihren Zeitdruck.

Effektiver Umgang mit Stress kann z.B. einfach eine Veränderung unserer Essgewohnheiten bedeuten; z.B. eine Reduzierung des Tee- oder Kaffeegenusses, da Koffein einen beträchtlichen Einfluss auf die Adrenalinkonzentration im Blut hat. Eine andere Möglichkeit ist die Anwendung einer Entspannungs-Technik, wie z.B. Massagen, Yoga oder Meditation. Dies hilft, eine positivere und zuversichtlichere Einstellung zu den Herausforderungen im Leben zu entwickeln. Alternativ bietet sich auch die Aufnahme einer etwas aggressiveren Sportart an, um sich von angestauten Anspannungen zu befreien und sich zu entlasten.

Sich selbst eine richtige Pause gönnen muss erlernt und geübt werden, besonders wenn man selber derjenige ist, der einen am meisten antreibt. Wenn wir den Mut aufbringen, alte Überzeugungen neu zu überprüfen, unsere Einstellung uns selber, unserer Arbeit und unserem Umfeld gegenüber zu hinterfragen und unter Umständen zu ändern, kann unsere Beziehung zum Stress eine ganz andere werden.

Anzuerkennen, dass man ein Recht hat, Fehler zu machen; übertriebene Forderungen abzulehnen und "nein" zu sagen; die eigenen Bedürfnisse und Gefühle offen darzulegen; sich selber Zeit zu schaffen; auf die eigenen Wünsche einzugehen wie auf die der anderen - all das ist nötig, um einen gesunden und ausgeglichenen Umgang mit der Uneigennützigkeit zu finden. Dies sind wahrscheinlich die grundlegendsten Überlebensregeln überhaupt.

Zu verstehen, dass man nicht perfekt, sondern ein normaler Mensch mit Unsicherheiten und Schwächen ist, ist der erste Schritt, sich selber zu akzeptieren. Mit einem gesunden Selbstwertgefühl und einer positiven Einstellung sich selbst gegenüber sollte man in der Lage sein, seine Fehler wie auch seine positiven Eigenschaften einzuschätzen.

Eine der besten Methoden um mit sich ins Reine zu kommen, ist die Meditation.
Durch sie sind wir uns aller Möglichkeiten bewusst, wenn sich eine stressige Situation anbahnt. Eine starke und gelassene Person kann mit einer gewissen Distanz objektiver sein und ihre Gefühle rationalisieren. Wenn wir anfangen, Gefühle als normalen Teil des Lebens zu betrachten, und wissen, wodurch sie entstehen, wird es auch einfacher, sie zu bewältigen. Wir müssen lernen, unsere Gefühle wann immer möglich offen auszudrücken, dadurch können wir sie schnell und vollständig verarbeiten. Wenn man einmal gelernt hat, seine Gefühle auszudrücken, ist es einfacher, destruktive Gedanken und Gefühle bewusst abzuschütteln, bevor diese sich anstauen.

 

B) Stressbehandlung aus ayurvedischer Sicht

Schlafstörungen gelten als die häufigste Folgeerscheinung von Stress

Schlaflosigkeit (Insomnie) ist die häufigste Form von Schlafstörungen und betrifft ein Fünftel aller Patienten, die einen Allgemeinmediziner aufsuchen. Kurzzeitige Schlafstörungen resultieren häufig aus einem stressigen Erlebnis. Die meisten von chronischen Schlafstörungen betroffenen Menschen berichten über Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten. Sie fühlen sich morgens oft schlechter als spät in der Nacht und sie fühlen sich schläfrig, physisch und psychisch erschöpft, bedrückt und beunruhigt.

Gemäss der ayurvedischen Lehre sind Überreinlichkeit, häufiges Übergeben, Rauchen und zu trockenes Essen einige der Ursachen. Zu wenig Nahrung, ein unbequemes Bett und das Alter müssen ebenfalls beachtet werden.

Es ist wichtig, eine geregelte Schlafenszeit zu haben, sich jeden Tag konstant sportlich zu betätigen, das Schlafzimmer vor übermässigem Lärm, Licht und Kälte zu schützen, bei Bedarf einen leichten Snack vor dem Schlafengehen zu essen und abends ein bisschen Zeit einzuplanen, um Gefühle zu verarbeiten. Anstrengende Leibesübungen vor der Schlafenszeit sollten vermieden werden wie auch der Konsum von Alkohol, Tabak und koffeinhaltigen Getränken. Ebenfalls sollte man nicht im Bett fernsehen, essen, lesen oder telefonieren. Man sollte nur ins Bett gehen, wenn man müde ist, denn man regt sich sonst auf, wenn man nicht einschlafen kann. All dies sollte man beachten, wenn man die Schlafstörungen in Angriff nehmen will.

Büffelmilch, süsse, fettige Speisen, Fleisch, Trauben und Zuckerrohrsaft sind einige Möglichkeiten, um den Schlaf zu fördern.

Gemäss Ayurveda sind ein beeinträchtigtes Vata und Pittha verantwortlich für Schlafstörungen, deswegen werden Druck- und Ölmassagen empfohlen. Tägliche Kopfmassagen mit Öl sowie Fuss- und Beinmassagen verbessern den Schlaf; für diesen Zweck kann Sesam- oder Kokosnussöl verwendet werden.


Sirodhara und Sirovasti sind zwei geeignete Therapien für Patienten mit Schlafstörungen.

Sirodhara ist ein Vorgang, bei dem medizinisches Öl oder Buttermilch gleichmässig über die Stirn gegossen wird, und zwar über die Dauer von zirka einer Stunde. Die Wirkung zeigt sich sofort durch einen ruhigen Schlaf bereits während der Behandlung. Bei der Sirovasti-Behandlung bleibt mittels eines Ledergürtels das medizinische Öl auf dem Kopf; dies ist ebenfalls bestens für die Behandlung von Schlafstörungen geeignet.


Medizinische Behandlung

Withania somnifera, Sarpagandha (Rawvolfia serpentia) Asparagus recemora, Acorus calamus, Bacopa monieri und Celastrus paniculata sind einige Beispiele von routinemässig bei Schlafstörungen und Stress angewandten Arzneien.

© Intertreck, Januar 2005

 

 

 

 

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